Ein wahres Verdi-Feuerwerk zündet die Kieler Oper mit dem eher selten gespielten Meisterwerk "La forza del destino". Großen Applaus gab es am Premierenabend für die konzertante Aufführung der etwas krausen Geschichte eines Familienkonflikts vor dem Hintergrund des alten Spanien, bei dem sowohl die exzellente Sängerriege, als auch das Philharmonische Orchester unter der Leitung von Johannes Willig vollends überzeugten.

Die zugkräftige Ouvertüre begeistert mit dem präzisen und glanzvollen Spiel der Streicher und einigen schön ausgeführten Bläsersoli. Johannes Willig versteht es, dem Orchester Raum für eine wirklich spannungsvolle Steigerung zu geben. Das selbe geschieht vor allem auch in der Kirchenszene, wo Chor, Orchester und Ensemble von einem meditativ ruhigen Beginn über eine gewaltige Steigerung bis zum Höhepunkt und wieder bis zum ruhigen Schluss geführt werden, ohne dass die Spannung nachlassen würde. Überhaupt: Der Chor! Vom entrückten Gesang der Mönche bis zum Kriegsgetümmel und Wirtshausszenen zeigt sich das große Engagement und die Musikalität der Chorsängerinnen und Chorsänger, die in der "Forza del Destino" auch diverse kleine Solopartien übernehmen können. So präsentieren sich Chan Il Seok als kraftvoller Marchese di Calatrava und Carmen Cardán als präsente Zofe Curra. Insbesondere Andrzej Bernagiewicz überzeugt als Alcalde und Chirurg.

Obwohl die Oper nicht szenisch dargestellt wird, kann Steffen Doberauer der Gestalt des Händlers Trabuco auch darstellerisch einige Aspekte abgewinnen. Auch gesanglich bleiben aber bei ihm wie immer keine Wünsche offen. Das gilt auch für Hye-Soo Sonn, der die kleine Rolle des Bruders Melitone stürmisch mit Leben und seiner samtigen Bassstimme erfüllt. Kammersänger Hans Georg Ahrens nähert sich der Partie des Pater Guardian nicht mit bloßer Bassgewalt, sondern mit einer ungemein differenzierten und kultivierten Gesangskultur, so dass ein hochinteressantes Zusammenspiel dieser so unterschiedlichen Bassrollen entsteht. Marina Fideli trumpft als Preziosilla stimmlich gewaltig auf und wird vom Publikum entsprechend gefeiert.

Jooil Choi, in Kiel erneut in der Rolle eines Bösewichts zu hören, verfolgt als unbarmherziger Rächer Don Carlo seine abtrünnige Schwester. Oft im Bereich eines gefährlichen Dauer-Forte kann er aber in seinen Soloszenen und im Duett mit seinem Freund und Widersacher Don Alvaro doch beeindrucken. Für die Rolle des ungeliebten Liebhabers seiner Schwester hat die Kieler Oper mit Emmanuel di Villarosa einen Tenor engagiert, der am Premierenabend zu einer gewaltigen Leistungssteigerung fähig war. Zunächst mit etwas eigenwilligen Vorstellungen über seine Einsätze an den Start gegangen, nahm er das Feuer aus dem Duett mit Jooil Choi mit in den dritten und vierten Akt, wo er mit strahlenden Spitzentönen und ausdrucksvollem Gesang alles mehr als ausglich.

Besonders bejubelt wurde am Premierenabend aber die Darstellerin der zwischen Liebe und Reue hin und her gerissenen Leonora. Mit Tatiana Plotnikova ist eine Künstlerin an die Förde gekommen, die von der ersten bis zur letzten Minute mit einem Feuereifer in ihrer Rolle aufgeht. Zwischen gewagten Piani und Tönen, die mühelos das volle Orchester überstrahlen, kann sie mit einer Ausstrahlung und Gestaltung wuchern, die sie ohne Mühe zum Zentrum der Aufführung machten. Wenn zu den ätherischen Harfentönen die letzten Klänge der Oper einer ehrfürchtigen Stille weichen, fragt man sich fast nicht mehr, wie eine szenische Darstellung dieses Stücks hätte aussehen können.
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