Marina Fideli (als Carmen, l.) im Terzett mit den beiden neuen Ensemble-Mitgliedern Merja Mäkelä und Lesia Mackowycz (r.)


2007년 9월 2일 저녁에 킬 오페라극장에서 열린 Volksbuhne Gala  콘서트 비평

Junge Stimmen und bewährte Kräfte

Kiel – Wenn sich die Volksbühne und das Theater Kiel zum Saisonstart zur Gala zusammentun, liegt traditionell frohe Erwartung in der schwülen Luft des voll besetzten Opernhauses. Zur Jubiläumsspielzeit lockte weniger das Repertoire – da wird ja nach Karasek-Art mit dem Speck nach der Wurst geworfen – als die Erstbegutachtung neuer, junger Stimmen im Ensemble.
Zwei „Neuanwerbungen“ ließen besonders aufhorchen: die finnische Mezzosopranistin Merja Mäkelä und der japanische Bariton Tomohiro Takada. Merja Mäkelä, die die ins dramatische Sopranfach gewechselte Claudia Iten beerbt, mischte der finalen Arie von Purcells Dido einen schön individuellen, herb nordischen Klang bei. Und Tomohiro Takada entwickelte vielversprechend einen langen Atem und lyrische Wärme im Lied an den Abendstern von Wagners Tannhäuser-Wolfram, den er von dem an die Komische Oper Berlin aufgestiegenen Mirko Janiska übernimmt. Dass er auch als beschwingter Fledermaus-Falke taugte, nahm doppelt für ihn ein. In die Fußstapfen der spielfreudigen, aber stimmlich umstrittenen Michaela Rams tritt die Kanadierin Lesia Mackowycz, die jüngst bei den Eutiner Festspielen und im Opernstudio der Hamburgischen Staatsoper positiv aufgefallen war. Auch wenn die letzte Lockerheit als Mozarts Blonde zunächst noch fehlte: In der von Rainer Wulff moderierten Gala präsentierte sie sich als munter zwitschernde Soubrette mit Koloraturfähigkeiten. In Fred Hoffmann bekommt sie in Mozarts Entführung und vermutlich auch in Strauß' Fledermaus einen Spieltenor an die Seite, der klar und sehr textverständlich singt.
Die Dirigenten des Hauses – Johannes Willig, Simon Rekers und Bettina Rohrbeck – überließen David Maiwald am Pult die Krone des Abends. Während sich die anderen verkünstelten oder zu pomadig Takt schlugen, legte Maiwald den Pfeffer in der Carmen-Partitur frei. Auch erwies sich sein Opernchor (die Herren als Fidelio-Gefangene; die Damen mit dem Carmen-Gezeter) als genauer und bissiger studiert als das instrumentale Kollegium der Philharmoniker. Die bewährten Sangeskräfte des Hauses zeigten gewohnt starke Momente. Marina Fideli gab eine düster todesnahe Carmen, Susan Gouthro eine strömend klagende Liù und Jörg Sabrowski den Eisenstein-Komödianten. Jooil Choi fehlte es wahrlich nicht an Kraft, aber doch deutlich an Eleganz für das Torerolied des Escamillo.
Scott MacAllister, Kiels Tannhäuser, kämpfte im Vorausblick auf die Fidelio-Premiere tapfer mit der Florestan-Arie – was aber ja alle Heldentenöre tun, die sich auf Beethovens vokale Zumutungen einlassen. Dass er danach noch Puccinis Hit Nessun dorma schmettern konnte, war enorm eindrucksvoll, auch wenn das letzte Quäntchen Italianità fehlte. Insgesamt wurde einem nicht bange um die sängerische Qualität der Jubelsaison. Nur das Bassisten-Problem scheint noch immer nicht gelöst.
Von Christian Strehk
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